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Partnerschaftsverein Baden-Baden

Ein Mann mit vielen Passionen ist tot - Otto Kugler bekleidete zahlreiche Ehrenämter

Mit der „halben Stadt“ war er per „Du“ und seine stets präsente Spiegelreflexkamera war sein Markenzeichen. Altstadtrat Otto Eberhard Kugler ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag im Alter von 85 Jahren verstorben.

Otto Eberhard Kugler war ein außergewöhnlicher Mensch mit einem ebenso außergewöhnlichen Lebensweg. In der westrumänischen Kreishauptstadt Arad erblickte Kugler am 3. Januar 1930 das Licht der Welt. Etwa ein Viertel der Stadtbevölkerung hatte deutsche Wurzeln. Der sehr sprachbegabte Otto Kugler besuchte den deutschen Kindergarten und lernte rumänisch erst in der Schule. Der sprachgewandte junge Mann sprach zudem französisch und englisch. Und nach Urlauben in Italien Ende der 1950er-Jahre lernte er „die schönste Sprache der Welt“: italienisch - eine seiner Passionen.

Nach der Grundschulzeit folgten vier Jahre auf dem deutschen Gymnasium, bevor die Familie „zwei Tage bevor die Russen kamen“ nach Österreich evakuiert wurde. Von Melk ging es nach Imst in Tirol, wo er dank seiner guten französischen Sprachkenntnisse von den Franzosen eingestellt wurde, die dort ein Flüchtlingslager leiteten.

Nach Stationen im westpfälzischen Pirmasens und Pforzheim fand Kugler im Rechnungsprüfungsamt des evangelischen Oberkirchenrats in Karlsruhe Arbeit. Ein Jahr später wechselte er als Kirchengemeindeverwalter nach Baden-Baden, das zu seiner zweiten Heimat werden sollte. Er war damals jüngster Geschäftsführer einer Kirchengemeinde und bei Dienstende nach 33 Jahren der Dienstälteste. In Pforzheim lernte er seine Frau Judith kennen, die er 1954 heiratete. Sie starb bereits 1997.

In die SPD trat Otto Eberhard Kugler bereits 1956 ein, von 1971 bis 1994 war er für die Sozialdemokraten Mitglied des Gemeinderates. Seine Themen waren das Soziale und die Finanzen. Von 1972 bis ins Jahr 2000 gehörte er dem Verwaltungsrat der Sparkasse an. Lange Zeit war er Mitglied des Kreditausschusses. Und von 1970 bis 1995 bekleidete er das Amt des zweiten Vorsitzenden der „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind“.

Eine weitere Passion war der Partnerschaftsverein und die 1990 gegründete Städtepartnerschaft mit dem norditalienischen Moncalieri. Mit großer Freude und persönlichem Engagement widmete er sich den zahlreichen Aktivitäten zwischen Baden-Baden und Moncalieri. Dazu gehörten viele Bürgerreisen, aber auch andere Austausche. Otto Kugler liebte Italien, nicht nur dessen Sprache. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt der rührige Baden-Badener 1997 die Ehrenbürgerwürde Moncalieris. Lange Jahre war er Stellvertreter der Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins und wurde später für seine zahlreichen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt.

Das vielfältige Wirken des Altstadtrats honorierte auch die Bundesregierung: 1990 verlieh Oberbürgermeister Walter Carlein im Auftrag von Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz am Bande. Dazu ist Kugler Träger des Patriarchskreuzes, verliehen durch den Metropoliten der rumänischen Moldau und späterem Patriarchen der rumänisch-orthodoxen Kirche, Teoctist. Damit würdigte der Kirchenmann die Verdienste Kuglers um die rumänisch-orthodoxe Stourdza-Kapelle auf dem Michaelsberg.

Otto Eberhard Kugler wird im Baden-Badener Stadtbild fehlen. Auch im hohen Alter nach wie vor politisch interessiert, war der galante Handkuss Damen gegenüber eines seiner Markenzeichen. Das zweite Markenzeichen war die Kamera. Auf die Frage, wie viele Fotos und Dias er denn besitze, zuckte Otto, wie ihn viele nannten, nur mit der Schulter und sagte augenzwinkernd: „Weißt Du, das müssen sicher über Hunderttausend sein. So genau weiß ich das nicht, weil ich eben auch viele davon an gute Freunde und liebe Menschen verschenke.“

Roland Seiter